
Ich behaupte, in der Weihnachtszeit wird der Unterschied zwischen einer Hausarztpraxis auf dem Land oder in der Stadt am deutlichsten: Die Grippewelle gibt es naturgemäß in diesen Zeiten überall in Deutschland. Den Vorweihnachtsstress ebenso. Der Unterschied: Unsere Patienten bringen in großer Zahl Selbstgebackenes in die Praxis - ich vermute weniger aus Sorge, das Praxis Team könnte zu wenig von Plätzchen, Schokolade und Co. zu sich nehmen, sondern mehr als Dankeschön für das Engagement in der Hausarztpraxis im abgelaufenen Jahr.
Wirklich berührt hat mich eine Patientin, die aktuell aufgrund einer Fraktur einen Unterarmgips trägt: Sie habe ja sonst immer Plätzchen gebacken, dies wäre wegen des Gipses nicht machbar gewesen und das täte ihr furchtbar Leid. Sie habe nur mit einem Arm "Neujährchen" drehen können und übergab uns eine große Dose. Jeder, der schon einmal versucht hat, diese Köstlichkeit selbst zu backen, weiß wie aufwendig das ist.
Auch in anderen Jahreszeiten schlägt mir in der Praxis viel Dankbarkeit entgegen; in der Vorweihnachtszeit nehmen sich Patienten aber besonders Zeit, ihr "Danke" auszudrücken. Das freut mich und ist ein schöner Brauch in der zunehmend kommerzialisierten Weihnachtszeit.
Wirklich berührt hat mich eine Patientin, die aktuell aufgrund einer Fraktur einen Unterarmgips trägt: Sie habe ja sonst immer Plätzchen gebacken, dies wäre wegen des Gipses nicht machbar gewesen und das täte ihr furchtbar Leid. Sie habe nur mit einem Arm "Neujährchen" drehen können und übergab uns eine große Dose. Jeder, der schon einmal versucht hat, diese Köstlichkeit selbst zu backen, weiß wie aufwendig das ist.
Auch in anderen Jahreszeiten schlägt mir in der Praxis viel Dankbarkeit entgegen; in der Vorweihnachtszeit nehmen sich Patienten aber besonders Zeit, ihr "Danke" auszudrücken. Das freut mich und ist ein schöner Brauch in der zunehmend kommerzialisierten Weihnachtszeit.

Fester Bestandteil der hausärztlichen Medizin ist die Reiseimpfberatung. Und in einer globalisierten Welt, in der Urlaube wie selbstverständlich in Vietnam, Kambodscha und Thailand verbracht werden, nimmt dieser Stellenwert zu.
Neulich kam eine Patientin zur Reiseimpfberatung, die eine Reise nach Indien geplant hatte. Sie hatte schon eine Informationsveranstaltung zu der geplanten Reise besucht. Der Veranstalter habe gesagt, eigentlich sei keine besondere reisemedizinische Vorbereitung notwendig. Naja, Indien ist so ziemlich der reisemedizinische Super-GAU...vor allem, wenn man eine Rundreise durch das ganz Land plant. Also klärte ich auf: Basisimpfungen Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertussis, dann Hepatitis A und B, Tollwut, Japanische Enzephalitis....das Thema Malaria und die Gelbfieberimpfung, die nur über das Gesundheitsamt zu bekommen sei. Die Patientin sank in ihrem Stuhl zusammen, in den Augen blankes Entsetzen. Damit hatte sie offensichtlich nicht gerechnet. Immer noch deutlich irritiert fragte sie, wie man sich denn mit diesen ganzen Krankheiten anstecken könne. Das sei je nach Krankheit unterschiedlich, erklärte ich und griff als Beispiel die Hepatitis A heraus. Hier könne man sich vor allem über Meeresfrüchte und ungewaschenen Salat infizieren. Die eh schon einigermaßen überforderte Patientin fragte erstaunt zurück, ob es denn wirklich möglich sei, sich über das Essen anzustecken; schließlich könne man das ja gar nicht wissen. Ich bestätigte und sagte, der sicherste Weg sei, diese Lebensmittel zu meiden. Auch bestätigte ich, dass Indien ein besonderes reisemedizinisches Risiko mit sich brächte. Ich versuchte den Spagat, der Patientin die Angst zu nehmen und ihr gleichzeitig zu verdeutlichen, dass sie das Thema Reiseimpfungen mehr als unterschätzt hatte. Gegen Ende des Termins kam sie zum dem Schluss, die Reise nicht anzutreten; das Risiko sei ihr zu hoch und so viele Impfungen wolle sie auch nicht. Vielleicht gehts dann doch wieder nach Italien ;-)
Neulich kam eine Patientin zur Reiseimpfberatung, die eine Reise nach Indien geplant hatte. Sie hatte schon eine Informationsveranstaltung zu der geplanten Reise besucht. Der Veranstalter habe gesagt, eigentlich sei keine besondere reisemedizinische Vorbereitung notwendig. Naja, Indien ist so ziemlich der reisemedizinische Super-GAU...vor allem, wenn man eine Rundreise durch das ganz Land plant. Also klärte ich auf: Basisimpfungen Tetanus, Diphtherie, Polio, Pertussis, dann Hepatitis A und B, Tollwut, Japanische Enzephalitis....das Thema Malaria und die Gelbfieberimpfung, die nur über das Gesundheitsamt zu bekommen sei. Die Patientin sank in ihrem Stuhl zusammen, in den Augen blankes Entsetzen. Damit hatte sie offensichtlich nicht gerechnet. Immer noch deutlich irritiert fragte sie, wie man sich denn mit diesen ganzen Krankheiten anstecken könne. Das sei je nach Krankheit unterschiedlich, erklärte ich und griff als Beispiel die Hepatitis A heraus. Hier könne man sich vor allem über Meeresfrüchte und ungewaschenen Salat infizieren. Die eh schon einigermaßen überforderte Patientin fragte erstaunt zurück, ob es denn wirklich möglich sei, sich über das Essen anzustecken; schließlich könne man das ja gar nicht wissen. Ich bestätigte und sagte, der sicherste Weg sei, diese Lebensmittel zu meiden. Auch bestätigte ich, dass Indien ein besonderes reisemedizinisches Risiko mit sich brächte. Ich versuchte den Spagat, der Patientin die Angst zu nehmen und ihr gleichzeitig zu verdeutlichen, dass sie das Thema Reiseimpfungen mehr als unterschätzt hatte. Gegen Ende des Termins kam sie zum dem Schluss, die Reise nicht anzutreten; das Risiko sei ihr zu hoch und so viele Impfungen wolle sie auch nicht. Vielleicht gehts dann doch wieder nach Italien ;-)

Ein 94-jähriger Landwirt kommt in unregelmäßigen Zeitabständen mit diversen gesundheitlichen Problemen, die ein langes Leben mit sich bringt, mit seinem Sohn in unsere Praxis. Der Patient ist nicht nur extrem schwerhörig, sondern versteht und spricht ausschließlich astreines westfälisches Plattdeutsch. Meiner einer kann das hiesige Platt zwar verstehen, jedoch nicht sprechen, sodass der Sohn als Übersetzer fungiert.
Der Patient stellt sich mit einem klassischen Erysipel, das heißt einer Hautentzündung oder im Volksmund auch Schweinerotlauf genannt, vor. Ich lege einen Feuchtverband an, verschreibe ein Antibiotikum und erkläre, dass die Verbände regelmäßig erneuert werden müssen und das Bein gekühlt werden muss. Der Sohn brüllt den Vater an: "Vadder, det muss jetzt all`n Dag ut tuuschen!" Der Vater scheint offensichtlich nicht überzeugt und ich verstehe das Wort "Sprütt"; der Sohn klärt mich auf - er fragt nach einer Spritze. Ich erkläre, dass man in diesem Fall keine Spritze geben könne und dass die genannte Behandlung unbedingt durchzuführen sei. Der Sohn schreit wieder: "Da kön man keen beten spreiten." Der Vater ist immer noch nicht zufrieden: Auch die Feuchtverbände entsprechen nicht seiner Vorstellung. Er habe immer gute Erfahrungen mit Penaten Creme gemacht und die müsse da doch wohl drauf. Ich verneine entschieden und erkläre noch einmal den Befund und die notwendige Therapie. Der Sohn und ich sind zufrieden; wir vereinbaren eine erneute Vorstellung in 3 Tagen.
Nach 3 Tagen erscheint der alte Herr mit seinem Sohn wieder in der Praxis - der Befund nur etwas verbessert, jedoch versteckt unter einer dicken Schicht fettiger Creme. Der Sohn schaut etwas schuldbewusst: Die Penaten Creme sei ihm nicht auszureden gewesen, wenn es schon keine Spritze gegeben hätte. Den Zusammenhang hatte ich beim letzten Termin allerdings auch noch nicht hergestellt... Ich frage schreiend nach, ob denn die Antibiotikaeinnahme erfolgt sei. Vater und Sohn bejahen nicht ohne Stolz. Ok, dann halt ohne Feuchtverband, muss die Antibiose reichen und vielleicht kühlt die Penaten Creme ja auch etwas.....man muss auch mal mit einem Teilerfolg zufrieden sein und wissen, wo die Grenzen der eigenen Überzeugungskraft liegen. Und immerhin hat die Penaten 2 Weltkriege geschafft und mein Patient einen davon.
Der Patient stellt sich mit einem klassischen Erysipel, das heißt einer Hautentzündung oder im Volksmund auch Schweinerotlauf genannt, vor. Ich lege einen Feuchtverband an, verschreibe ein Antibiotikum und erkläre, dass die Verbände regelmäßig erneuert werden müssen und das Bein gekühlt werden muss. Der Sohn brüllt den Vater an: "Vadder, det muss jetzt all`n Dag ut tuuschen!" Der Vater scheint offensichtlich nicht überzeugt und ich verstehe das Wort "Sprütt"; der Sohn klärt mich auf - er fragt nach einer Spritze. Ich erkläre, dass man in diesem Fall keine Spritze geben könne und dass die genannte Behandlung unbedingt durchzuführen sei. Der Sohn schreit wieder: "Da kön man keen beten spreiten." Der Vater ist immer noch nicht zufrieden: Auch die Feuchtverbände entsprechen nicht seiner Vorstellung. Er habe immer gute Erfahrungen mit Penaten Creme gemacht und die müsse da doch wohl drauf. Ich verneine entschieden und erkläre noch einmal den Befund und die notwendige Therapie. Der Sohn und ich sind zufrieden; wir vereinbaren eine erneute Vorstellung in 3 Tagen.
Nach 3 Tagen erscheint der alte Herr mit seinem Sohn wieder in der Praxis - der Befund nur etwas verbessert, jedoch versteckt unter einer dicken Schicht fettiger Creme. Der Sohn schaut etwas schuldbewusst: Die Penaten Creme sei ihm nicht auszureden gewesen, wenn es schon keine Spritze gegeben hätte. Den Zusammenhang hatte ich beim letzten Termin allerdings auch noch nicht hergestellt... Ich frage schreiend nach, ob denn die Antibiotikaeinnahme erfolgt sei. Vater und Sohn bejahen nicht ohne Stolz. Ok, dann halt ohne Feuchtverband, muss die Antibiose reichen und vielleicht kühlt die Penaten Creme ja auch etwas.....man muss auch mal mit einem Teilerfolg zufrieden sein und wissen, wo die Grenzen der eigenen Überzeugungskraft liegen. Und immerhin hat die Penaten 2 Weltkriege geschafft und mein Patient einen davon.

Ich dachte bisher, dass meine Patientenkommunikation nicht so schlecht sei, jedoch bin ich mal wieder an meine Grenzen gestoßen: Ein Patient stellte sich mit Oberbauchschmerzen vor. Die Beschwerden und der Ultraschall sprachen für ein Gallenblasenproblem. Da es dem Patienten eigentlich ganz gut ging, entschied ich mich zunächst zur Blutentnahme mit der Bitte, sich am nächsten Tag noch einmal vorzustellen. Am nächsten Tag war nach den Blutergebnissen klar, dass der Patient eine Bauchspeicheldrüsenentzündung mit Entzündung der Gallenwege hatte. Das erklärte ich dem Patienten in dieser Art und Weise. Nach dem Begriff "Bauchspeicheldrüse" schaltete er jedoch vollständig ab: "Oh Gott, mein Nachbar hatte auch Bauchspeicheldrüse, der war in 6 Monaten tot. Frau Doktor, seien Sie ehrlich, wie lange hab` ich noch?" Egal, wie und was ich intervenierte und obwohl ich den Begriff "Entzündung" immer und immer wieder benutzte und predigte, er habe keinen Krebs - ich hatte keine Chance: Noch im Gehen fragt er: "Frau Doktor, was sage ich jetzt meiner Frau? Bauchspeicheldrüse kann ich nicht sagen. Dann weiß sie direkt Bescheid." Ehrlicherweise blieb ich relativ sprachlos zurück. Offensichtlich gibt es im Volksmund jetzt nicht mehr nur "ich hab` Rücken und Kreislauf", sondern auch "ich habe Bauchspeicheldrüse" und es scheint damit immer eine Krebserkrankung gemeint zu sein. Tja, gegen den Volksmund ist kein Kraut gewachsen.

In den vergangenen 15 Monaten habe ich in einem Notfallzentrum in einem privaten Maximalversorger gelebt. Für Nichtmediziner: In einem sehr großen Klinikum, dass sämtliche medizinische Abteilungen umfasst. Ich schreibe bewusst "gelebt", denn in der Zeit habe ich nahezu ausschließlich in der Nachtschicht gearbeitet. Als Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Notfallmedizin mit internistisch-neurologischem Knowhow war ich Mädchen für alles und entsetzt, wie die größte deutsche private Klinikkette, dessen Mutterkonzern, mit zwei Sparten im Dax notiert ist, den Patienten zum Wirtschaftsgut und Kostenfaktor degradiert. Die Arbeitsbelastung durch die viele Nacht- und Wochenendarbeit hat Spuren hinterlassen. Eigentlich war ich gerne Arzt - aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Bevor ich mich aus der curativen Medizin endgültig verabschieden wollte, gab ich mir und meinem "Arztsein" einen letzten Versuch: Durch meine breite Ausbildung fühlte ich mich der Allgemeinmedizin gewachsen und die Aussicht, mein eigener Chef zu werden lockte mich - empfand ich doch den zunehmend größer werdenden Einfluss der "BWLer" auf meinen Berufsstand als anmaßend und wenig humanistisch.
Sofort fühlte ich mich wohl ich der Praxis. Mein Kollege verkörperte genau die Medizin, für die ich mich durch Anatomie, Biochemie und Augenheilkunde gekämpft hatte. Ich war sofort begeistert von dem überraschend breiten Spektrum: Kein Wunder: Facharzttermin? In 8 Monaten..... Daher stellen sich alle Patienten mit sämtlichen Beschwerden immer zuerst in unserer Praxis vor. Das macht das Spektrum unglaublich vielfältig. Als Chirurgin führe ich Wundversorgungen und kleinere Eingriffe in unserer Praxis durch. Und ich freue mich immer, wenn mein chirurgisches Können gefragt ist! So stellte sich (einer der vielen) Landwirte in unserer Praxis vor, der sich beim Kochen (!!) in die Hand geschnitten hatte. Nach der chirurgischen Wundversorgung mit 5 Hautnähten bestellte ich den Patienten 2 Tage später zur Wundkontrolle ein. Die Wunde war nicht mehr zu sehen - die Hand war schwarz vor Dreck.....Nee, dat müsse so gehen; schließlich müsse er sich ja um die Schweine kümmern..... In Gedanken sah ich schon die übelste MRSA Infektion vor mir..... Memo an mich: Unbedingt SEHR genaue postoperative Anweisungen geben: Stall- und Gartenarbeit explizit verbieten!
Interessanterweise war es der Wunde egal; sie ist vollständig abgeheilt.
Sofort fühlte ich mich wohl ich der Praxis. Mein Kollege verkörperte genau die Medizin, für die ich mich durch Anatomie, Biochemie und Augenheilkunde gekämpft hatte. Ich war sofort begeistert von dem überraschend breiten Spektrum: Kein Wunder: Facharzttermin? In 8 Monaten..... Daher stellen sich alle Patienten mit sämtlichen Beschwerden immer zuerst in unserer Praxis vor. Das macht das Spektrum unglaublich vielfältig. Als Chirurgin führe ich Wundversorgungen und kleinere Eingriffe in unserer Praxis durch. Und ich freue mich immer, wenn mein chirurgisches Können gefragt ist! So stellte sich (einer der vielen) Landwirte in unserer Praxis vor, der sich beim Kochen (!!) in die Hand geschnitten hatte. Nach der chirurgischen Wundversorgung mit 5 Hautnähten bestellte ich den Patienten 2 Tage später zur Wundkontrolle ein. Die Wunde war nicht mehr zu sehen - die Hand war schwarz vor Dreck.....Nee, dat müsse so gehen; schließlich müsse er sich ja um die Schweine kümmern..... In Gedanken sah ich schon die übelste MRSA Infektion vor mir..... Memo an mich: Unbedingt SEHR genaue postoperative Anweisungen geben: Stall- und Gartenarbeit explizit verbieten!
Interessanterweise war es der Wunde egal; sie ist vollständig abgeheilt.